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Ernährung · Ratgeber

Richtig trinken im Alltag

Trinken klingt nach der einfachsten Gesundheitsregel überhaupt. Trotzdem kursieren Zahlen von zwei bis drei Litern. Was stimmt – und woran man den eigenen Bedarf erkennt.

Von Katharina Brandt · Ernährung · Ratgeber · 6 Min. Lesezeit

Der Mensch besteht zu rund 60 Prozent aus Wasser. Schon ein Verlust von wenigen Prozent des Körperwassers macht Leistungseinbußen spürbar – und trotzdem trinken viele im Alltag zu wenig. Zeit für eine nüchterne Bestandsaufnahme.

Wie viel ist überhaupt nötig?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung orientiert sich an rund 1,5 Litern Getränken pro Tag für Erwachsene – dazu kommt erheblich Flüssigkeit über die Nahrung: Obst, Gemüse, Suppen, Joghurt liefern einiges dazu. Insgesamt landet der Bedarf so meist bei etwa 2 bis 2,5 Litern Gesamtwasserzufuhr, ohne dass alles getrunken werden muss. Die oft zitierten „drei Liter Wasser“ sind für die meisten Menschen weder nötig noch belegt.

Der Bedarf steigt freilich deutlich bei Hitze, Fieber, körperlicher Anstrengung oder in geheizten Räumen im Winter. Wer viel in Bewegung ist oder Sport treibt, braucht entsprechend mehr – als grobe Orientierung gilt für jede halbe Stunde stärkerer Belastung ein zusätzliches Glas.

Der Körper hat ein Warnsystem: Durst

Gesunde Erwachsene verfügen über ein verlässliches Steuerungsinstrument: das Durstgefühl. Wer durstig ist, sollte trinken – so einfach ist die Grundregel. Ausnahmen gibt es im Alter: Das Durstempfinden lässt nach, weshalb ältere Menschen bewusst Trinkrituale einbauen sollten, etwa ein Glas Wasser zu jeder Mahlzeit und eines am Morgen.

Ein zweiter praktischer Gradmesser ist die Urinfarbe. Helles Gelb bis Fast-Transparent signalisiert ausreichende Flüssigkeit; dunkler, konzentrierter Urin weist auf ein Defizit hin. Für den Alltagscheck reicht ein Blick ins Klosett – aufwändigere Messmethoden braucht es nicht.

Was zählt – und was besser Ausnahme bleibt

Als Basis eignen sich Wasser, ungesüßte Tees und stark verdünnte Saftschorlen. Kaffee zählt entgegen manchem Gerücht zur Flüssigkeitsbilanz dazu – die harntreibende Wirkung ist bei regelmäßigem Konsum gering. Milch und Saft sind Lebensmittel, keine Durstlöscher. Limonaden, Eistee und Energydrinks liefern dagegen erhebliche Zuckermengen: Ein halber Liter Cola steckt bei etwa 50 Gramm Zucker – mehr, als die Weltgesundheitsorganisation für den gesamten Tag empfiehlt. Alkohol gehört grundsätzlich nicht zur Flüssigkeitsversorgung; er entzieht dem Körper über die Nieren sogar Wasser.

Zu viel des Guten?

Neben der Unterversorgung gibt es die seltene Gegengefahr: Wer in kurzer Zeit enorm viel Wasser trinkt – etwa mehrere Liter innerhalb einer Stunde –, kann den Salzhaushalt gefährden. Für den normalen Alltag ist das praktisch irrelevant; relevant wird es bei Extremsituationen oder bestimmten Erkrankungen. Menschen mit Herz- oder Niereninsuffizienz besprechen Trinkmengen im Zweifel mit ihrer Behandlerin oder ihrem Behandler.

Kernpunkte

  • Rund 1,5 Liter Getränke plus wasserreiche Kost decken den Alltagbedarf der meisten Erwachsenen.
  • Durst und helle Urinfarbe sind die einfachsten Kontrollinstrumente.
  • Wasser und ungesüßter Tee als Basis, Süßgetränke als seltene Ausnahme.
  • Bei Hitze, Sport und im Alter bewusst nachsteuern.

Trinken als Routine verankern

Am einfachsten gelingt ausreichendes Trinken über feste Anker im Tagesablauf: ein Glas Wasser direkt nach dem Aufstehen, eines auf dem Schreibtisch, eines zu jeder Mahlzeit. Wer Wasser langweilig findet, würzt es mit Zitronenscheibe, Minze oder Gurke – ganz ohne Zucker. Eine gefüllte Flasche in Sichtweite erinnert besser als jeder Vorsatz. Und: Auch die Darmgesundheit profitiert von ausreichender Flüssigkeit, gerade bei ballaststoffreicher Kost.

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